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6 Fragen zum Thema SAP Sustainability und AI: Was bereits funktioniert – und was nicht
Larissa Butler
Sustainability-Expertin
SAPs AI-Strategie ist konsequent. Die eigene Organisation und Anwendungen werden, so weit möglich, vollumfänglich auf AI ausgerichtet und direkt in die Abläufe eingebunden – und das gilt natürlich auch für das Sustainability-Portfolio. So sollen wegweisende Innovationen gelingen und Geschäftsprozesse effizienter laufen. Was Anwender hier Stand November 2025 erwarten können, wo es noch Luft nach oben gibt und was Innovabee-Kunden bereits in der Praxis umsetzen: Die Innovabee-Redaktion hat bei Sustainability-Expertin Larissa Butler nachgefragt!
Das Portfolio SAP Sustainability wurde in den letzten Monaten sukzessive um KI-Funktionen ergänzt. Womit arbeiten Anwender denn heute schon?
Zum einen mit SAP Sustainability Footprint Management (SFM), automated emission factor mapping, zum anderen natürlich mit dem SAP Sustainability Control Tower (SCT), ESG report generation – zwei starke Tools, mit deren Unterstützung Anwender ihre Prozesse straffen, Kosten senken, Risiken mindern und ihre Leistung in den Bereichen ESG-Berichterstattung, Steuerung von CO2-Emissionen und Compliance deutlich verbessern können.
Wie sieht ein solches Anwendungsszenario konkret aus?
Besonders spannend und hilfreich ist die automatisierte Zuordnung von Emissionsfaktoren in SAP SFM – denn damit lassen sich Regularien und weitere Anforderungen aus dem ESG-Reporting, zu welchem viele Unternehmen mittlerweile verpflichtet sind, schneller und transparenter umsetzen. Die AI macht es hier zum Beispiel möglich, Geschäftsaktivitäten automatisch und transparent mit Nachhaltigkeitsfaktoren zu verknüpfen – sprich, den Nutzern werden automatisiert Zuordnungen von Emissionsfaktoren für eingekaufte Produkte oder Produktgruppen vorgeschlagen, ein Genauigkeitswert inklusive. Das Tool nutzt dafür alle verfügbaren Emissionsfaktoren-Datenbanken wie z. B. Ecoinvent oder Carbon Minds, so dass kein Faktor außer Acht gelassen wird.
Welche Vorteile ergeben sich durch das AI-assisted emission factor mapping innerhalb SAP SFM?
Manuelle Aufwände werden immens reduziert – und zwar um bis zu 80 Prozent – , denn die Zuordnung von Emissionsfaktoren geschieht wie gesagt vollständig automatisiert innerhalb der Funktionalität zwischen allen Life-Cycle-Assessment (LCA)- Datenbanken und den ERP-Anwendungen. Eine weitere Zeitersparnis gelingt dadurch, dass im nächsten Schritt der Produkt- oder auch der Unternehmens-CO2-Fussabdruck ebenfalls automatisch berechnet werden, und das bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Datenqualität – schließlich müssen nicht mehr händisch Daten aus unterschiedlichsten Listen oder Tabellen hin- und her kopiert werden, immer in der Hoffnung, dass alles auf dem aktuellen Stand ist. Und das wiederum wirkt sich natürlich auf die Optimierung des Nachhaltigkeits-Performance-Managements aus genauso wie auf Compliance und Audits.
Wie genau sieht das Zusammenspiel zwischen dem SAP Sustainability Control Tower (SCT), dessen Funktionalität ESG report generation und KI aus?
Den Unternehmen, die ein ESG-Reporting abliefern müssen, hilft die KI immens: Zum einen werden alle ESG-Daten, die bereits im SAP SCT hinterlegt sind, dafür genutzt, zum anderen wird der Berichtsprozess über ausgewählte Zeiträume und Standorte hinweg automatisiert. Am Ende lässt sich das Reporting per Knopfdruck als PDF herunterladen und ist nicht nur genauer, sondern auch deutlich schneller und präziser erstellt als bisher. Und erste Zahlen belegen den Nutzen deutlich: Bis zu 98 Prozent weniger Zeitaufwand für das Sammeln relevanter ESG-Kennzahlen, bis zu 96 Prozent weniger Zeitaufwand für die Erstellung von Tabellen und Diagrammen und auch bis zu 85 Prozent weniger Zeitaufwand für das Schreiben des Berichts! Für mich ein absoluter Game Changer, denn welches Unternehmen sagt nein zu einer Lösung, die zuverlässig, sicher und schnell Reports per Knopfdruck erstellt?
Verschiedene AI-Use-Cases optimieren bewährte Lösungen wie SAP Product Compliance, SAP Green Token und SAP Green Ledger als auch SAP Environment, Health, and Safety Management (EHS) sowie den SAP Sustainability Control Tower (SCT) kontinuierlich weiter. (Quelle: SAP SE)
Wie exakt trifft SAP die Bedarfe der Anwender und wo muss noch nachgearbeitet werden?
SAP ist in vielen Bereichen auf einem sehr guten Weg und deckt zentrale Anforderungen bereits ab – insbesondere beim Reporting, der Integration von CO₂-Daten in das ERP-System sowie in punkto Automatisierung standardisierter Prozesse mittels KI. Fakt ist aber auch, dass bisher keine vollumfängliche Abdeckung existiert. Entsprechend ist eine ganzheitlichen Betrachtung aller Nachhaltigkeitsaspekte sowie des Angebots an KI-Funktionen noch nicht möglich.
Dazu ein Beispiel: Für Unternehmen mit hohen Anforderungen – etwa bei detaillierten Lieferkettenanalysen, umfassendem Nachhaltigkeits-Management über CO₂ hinaus oder operativen KI-Anwendungen – ist SAP heute ein zentraler Bestandteil der Lösung, aber meist nicht die alleinige Plattform. In solchen Fällen sind ergänzende Module, spezialisierte Daten-Services oder individuelle Erweiterungen erforderlich.
Was bedeutet das vor allem für mittelständische Unternehmen?
Der Mittelstand mit seinen eher standardisierten Prozessen profitiert von SAPs bereits sehr gutem AI-Sustainability-Fundament. Einer unserer Kunden setzt die AI-Funktion innerhalb SAP SFM bereits aktiv ein und ist wirklich zufrieden damit! Großunternehmen mit komplexen, regulierten Nachhaltigkeitsstrategien werden SAP-Lösungen dagegen in der Regel mit branchenspezifischen Tools oder externen Systemen kombinieren müssen, um ihre Anforderungen vollständig erfüllen zu können.
Was sind aktuell die wichtigsten Ratschläge für Unternehmen, die an SAP Business AI interessiert sind?
Egal, wie gut und durchdacht SAPs KI-Tools sind, ohne Abstimmung auf strategische Ziele werden sie nicht den gewünschten Effekt haben. Sprich, wir erarbeiten gemeinsam mit unseren Kunden in Schritt eins deren Strategie und finden gemeinsam heraus, was damit erreicht und welche Probleme und Herausforderungen damit gelöst werden sollen. Für manche bietet sich eine Kombination von generativer KI an, die bereits in den SAP-Anwendungen integriert ist, bis hin zu Co-Pilot SAP Joule. Andere, meist größere Unternehmen, benötigen aber eventuell „mehr“, also KI-Lösungen ohne SAP-Stempel. Diese Drittanbieter lassen sich via SAP Business Technology Platform (BTP) anbinden. Der Gelingensfaktor ist immer derselbe: Die Lösung und Tools ganzheitlich auf die individuellen Bedürfnisse und Ziele des Kundens anzupassen, damit es messbaren Ergebnissen kommt und der Wert spür- und sichtbar wird.
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